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Katrin Scheib: Adventure, dreams and life abroad

01.01.2013

Jährlich vergibt die Robert-Bosch-Stiftung 16 Stipendien im Rahmen ihres Medienbotschafter-Programms - eine Möglichkeit, einmal Zeit außerhalb der eigenen Redaktion zu verbringen, Zeit zwischen Jobs sinnvoll zu nutzen oder einfach Kraft in der Ferne zu tanken. Leicht ist der Alltag in China aber nicht, im Gegenteil: "Man muss ordentlich Frustrationstoleranz mitbringen", sagt Katrin Scheib, die derzeit als Stipendiatin in China lebt und arbeitet. Im Interview mit NEWSROOM spricht Katrin Scheib, Chefin vom Dienst bei WAZ.de, dem Onlineportal der WAZ Mediengruppe, über ihre Entscheidung für China, was interessierte deutsche Journalisten bei der Bewerbung beachten sollten und worauf sie sich einstellen können, wenn sie in das bevölkerungsreichste Land der Welt reisen.

NEWSROOM:
Sie sind als Medienbotschafterin in China. Wie kam es zu der Entscheidung, sich für das Programm der Robert-Bosch-Stiftung zu bewerben?
Katrin Scheib:
Fachlich ging es mir darum, mehr über ein Land zu erfahren, das immer wichtiger wird, von dem ich aber nicht viel wusste. Und persönlich hat mich gereizt, mich in einer möglichst fremden Welt zurechtzufinden.

NEWSROOM:
Wer als Deutscher nach China geht, erlebt einen Kulturschock. Was finden Sie in Peking befremdlich?
Katrin Scheib:
Man muss sich darüber klar sein, dass man hier erst mal auf sein Bauchgefühl verzichten muss – weil das westlich geprägt ist und hier nicht passt. An einem unserer ersten Tage wollte ein Mitarbeiter der Tsinghua-Universität wissen: „Wenn ihr aus Deutschland seid, heißt das, ihr seid religiös?“. Wir haben erzählt – katholisch, evangelisch, nichts – und dann gefragt, wie es bei ihm steht „Ich? Ich glaube an die Kommunistische Partei!“ Schweigen, Suche nach einer höflichen, kulturkompetenten Antwort. Dann hat er geseufzt und gesagt: „War doch ein Witz.“

NEWSROOM:
Und was hat Ihnen spontan gut gefallen?
Katrin Scheib:
Genau das: Wie sehr und wie schnell Kollegen, Bekannte, Mitbewohner zu offenen, kritischen Gesprächen bereit waren. Klar muss man sich bewusst sein, dass das ein verzerrter Ausschnitt ist, weil wir naturgemäß vor allem gebildete Großstädter mit Englischkenntnissen kennengelernt haben. Andererseits haben die Organisatoren und die beiden Mitstipendiaten, die Chinesisch sprechen, auch Gespräche zum Beispiel mit Wanderarbeitern möglich gemacht.

NEWSROOM:
Wie sprechen und denken die Chinesen über Deutschland?
Katrin Scheib:
Als ich einem Taxifahrer mit meinen paar Chinesischbrocken erzählt habe, woher ich bin, kam "Ah! Deutschland! BMW!" Ansonsten reichten die Fragen von "Stimmt es, dass man bei euch kostenlos studieren kann?" und "Mögt ihr Frau Merkel?" bis "Kennen alle Deutschen Oberst Stauffenberg?" und "Gibt es bei euch auch 'The Voice'?"

NEWSROOM:
Eigentlich müsste die Welt doch mit Internet und Social-Media zusammengewachsen sein, da muss man doch eigentlich gar nicht mehr in ferne Länder reisen!
Katrin Scheib:
Man kann sich vieles anlesen, aber einen Eindruck von der Lebensrealität, vom Alltag bekommt man nur vor Ort. Und was das Internet angeht: Während unseres Aufenthaltes wurde die Seite der New York Times für chinesische Nutzer gesperrt, nachdem dort ein Artikel über das Vermögen von Wen Jiabao und seiner Familie erschienen war. Twitter und Facebook sind ebenfalls blockiert – auch wenn sich einige die Arbeit machen, diese Blockaden zu umgehen. Umgekehrt ist Weibo, das Twitter-Gegenstück, hier extrem wichtig. Aber um sich das zu erschließen, muss man Chinesisch können, und die Einträge dort werden zensiert.

NEWSROOM:
Sie arbeiten normalerweise als Chefin vom Dienst bei WAZ.de. Wie schwer war es, den Dienstherrn zu überzeugen, dass Sie jetzt drei Monate erst einmal nicht mehr in Essen sind?
Katrin Scheib:
Thomas Kloß, unser Chefredakteur, hat den Plan nach ein wenig Feilschen sehr unterstützt und einiges möglich gemacht.

NEWSROOM:
Und wie haben die Kollegen in Deutschland reagiert?
Katrin Scheib:
Großartig. Einige meiner Aufgaben mussten in Abwesenheit Kollegen mitübernehmen, gerade bei laufenden Projekten. Trotzdem hab ich nichts anderes gehört als "tolle Chance, musst Du machen." Da muss ich mir noch ein Dankeschön einfallen lassen.

NEWSROOM:
Worauf sollten sich deutsche Journalisten einstellen, wenn sie sich für das Stipendium bewerben möchten? Wie sollten sie sich vorbereiten?
Katrin Scheib:
Man muss ordentlich Frustrationstoleranz mitbringen. Mir sind zum Beispiel selten so viele Geschichten geplatzt wie hier. Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie wer als heikel empfinden könnte - und trotzdem hieß es oft plötzlich, nee, sorry, geht jetzt doch nicht, ist kein guter Zeitpunkt im Moment für mediale Aufmerksamkeit. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass in unseren Aufenthalt der 18. Kongress der Kommunistischen Partei fiel – eine Zeit, in der Überwachung und Zensur besonders streng sind, um die "Harmonie" zu wahren.

NEWSROOM:
Wie erleben Sie eigentlich den chinesischen Journalismus?
Katrin Scheib:
Das Spektrum ist groß. Es gibt extrem kritische Medien wie das Wirtschaftsmagazin Caixin, und es gibt staatliche Medien, von denen die einen manchmal versuchen, die Grenzen der Zensur auszutesten, und andere gar nicht. Auch an Kollegen haben wir alles getroffen – Investigativjournalisten wie Wang Keqin, aber auch Journalisten, die bei Nachfragen zum Wahrheitsgehalt offizieller Quellen sagen: "Na, wenn Du dem Staat nicht glauben willst, wem denn dann?"

NEWSROOM:
Können Sie berichten, wie in China die Journalisten ausgebildet werden? Gibt es Volontariate oder Journalistenschulen?
Katrin Scheib:
Viele kommen in den Journalismus über Studiengänge wie den an der Tsinghua-Universität, an der wir Medienbotschafter unsere Seminarblöcke hatten. Gerade bei Medien, die auf Englisch berichten, gibt es aber auch viele Leute, die Anglistik/Amerikanistik studiert haben.

NEWSROOM:
Und welche Nachrichten aus Deutschland haben es in die chinesischen Medien in den vergangenen Wochen geschafft?
Katrin Scheib:
Als wir ankamen war der Skandal um belastete Erdbeeren im Schulessen hier ein großes Thema – da haben einen chinesische Freunde durchaus mal angefrotzelt, schaut mal, nicht nur wir haben hier Lebensmittelskandale. Später wurde dann klar, dass die Erdbeeren aus China kamen. Und natürlich ist die Finanzkrise in all ihren Facetten immer wieder Thema.

NEWSROOM:
Worauf freuen Sie sich besonders, wenn Sie wieder in Deutschland sind?
Katrin Scheib:
Ein Zimmer, das sich anständig heizen lässt. Mein WG-Zimmer hier hat zwar den Charme eines traditionellen Pekinger Hutong-Hauses, aber eben auch eine Dachschräge, durch deren Fugen man das Tageslicht sieht. Bei nachts minus 15 Grad heißt das: Schlafen mit zwei Pullis und zwei Wärmflaschen.

Die Fragen an Katrin Scheib, Medienbotschafterin und Chefin vom Dienst bei WAZ.de, stellte NEWSROOM-Chefredakteur Bülend Ürük.
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